Pressemeldungen

30 Jahre Karer Consulting

Wir haben den Firmengründer Albert Karer zu den Anfängen der Firma interviewt und dabei spannende Einblicke in die Anfänge der Firma und die IT-Landschaft zur Mitte der Neunziger bekommen.

 

Warum hast du dich selbstständig gemacht und wann fiel die endgültige Entscheidung?

Ich habe als Geschäftsführer und Prokurist einer Schweizer Firma sehr genau mitbekommen, wie sich die IT-Landschaft damals verändert hat. Anfang der 1990er Jahre begann der Siegeszug der PCs, Rechenleistung war dezentral verfügbar, was Unternehmen fundamental  verändert hat – weg vom Großrechner und „dummen“ Terminals. Mit der neuen Technologie begann auch ein Wandel im Beratungsgeschäft, die Projekte wurden komplexer, das reine Body-Leasing von Entwicklungsleistung war nicht mehr gefragt. Für mich war klar, dass man zukünftig viel früher mit der Beratung ansetzen muss. Nicht erst bei der Umsetzung, sondern bei der Konzeption, dort, wo Prozesse und Architektur definiert werden. Diese Verbindung war für mich entscheidend und ist es übrigens bis heute.

Im Frühjahr 1996 habe ich Kapital gesammelt und die Gründung vorbereitet, nicht spontan, sondern als bewusste Entscheidung aus vielen Jahren Erfahrung in der Geschäftsführung und Beratung. Als wir das Kapital bei der Bank eingezahlt haben, war meine ganze Familie dabei, meine Frau sowie die drei Kinder, damals 5, 8 und 11 Jahre alt – eine so große Summe Bargeld „wegzugeben“ hat vor allem die Kinder sichtlich beeindruckt.

 

Wie ist die Karer in den ersten Monaten gewachsen, wie kamst du zu Mitarbeitern und Kunden?

Als erster Mitarbeiter kam Christian Baier im Juni 1996 dazu, er hatte gerade sein Studium in London abgeschlossen und wir kannten uns bereits rund zwei Jahre aus der gemeinsamen Arbeit. Bei einem Besuch in seinem Studentenappartment in London gab er letztlich auch den Impuls der Firma keinen Kunst-Namen zu geben, sondern sie nach dem zu nennen was drin ist: Karer Consulting.

Das mit den Kunden ging relativ schnell - aufgrund meines bestehenden Netzwerks. Viele Mandate begannen mit Workshops, die wir zunächst bei Finanzdienstleistungsunternehmen zum Thema Prozessoptimierung gehalten haben und aus denen sich dann Projekte unterschiedlicher Größe ergaben. Danach funktionierte der Vertrieb hauptsächlich über Empfehlungen – so sind wir auch zu unserem ersten Industriekunden gekommen.

 

Wie sah denn so ein typischer Tag in den ersten Monaten der Karer Consulting aus?

In den ersten Wochen hatten wir keine Büroräumlichkeiten, zunächst haben wir beide, Christian und ich, bei mir zu Hause gearbeitet. Im Juli 1996 sind wir in das erste Büro in Oberrohrdorf, direkt neben unserem damaligen Wohnhaus, eingezogen. Tagsüber waren wir praktisch immer beim Kunden und abends saßen wir gemeinsam im Büro und haben uns um das Drum-Herum gekümmert, Stellenangebote, Buchhaltung und so weiter. Heute würde man es als Start-up-Mentalität bezeichnen. Die ersten Mitarbeiter haben sogar zusammen in einer WG gewohnt.

 

"Notebooks für alle Mitarbeitenden? Eine Sensation in 1996!"

 

Was hat die Karer Consulting von anderen Unternehmen schon damals unterschieden, womit habt ihr Bewerber und Kunden überzeugt?

Wir waren technisch schon immer sehr „früh“ unterwegs. Es war damals (1996) eine Sensation, dass alle unsere Mitarbeiter sofort ein Notebook bekamen. Unser erster Beamer, mit der Größe einer Sporttasche, hat 10.000 Franken gekostet, für damalige Verhältnisse war das ein echtes Statement. Aber wir haben von allen Technologien immer in das Neueste investiert – während in anderen Firmen lange diskutiert wurde, haben wir einfach gemacht, ich war nämlich überzeugt davon, dass wir up-to-date sein müssen um up-to-date beraten zu können.

 

Kannst du uns was über das wirtschaftliche Umfeld der Gründung erzählen? Wie sah die Wirtschaft in der Schweiz damals aus?

1996 war in der Schweiz eine klare Rezessionsphase. Es ging vielerorts bergab. Aber Rezessionen schaffen immer auch Chancen, besonders für Optimierung. Genau dieses Thema haben wir in Angriff genommen – wir haben mit all unseren Kunden von Anfang an sehr konkret gearbeitet und zugesagt, innerhalb weniger Monate messbare Verbesserungen zu liefern. Darauf sind die Unternehmen zur damaligen Zeit natürlich extrem angesprungen. Vor allem da wir unsere Zusagen eingehalten haben.

 

Weg von den ersten Monaten, hin zu den ersten Jahren – wie hat sich die Karer Consulting entwickelt und was waren die größten Challenges?

Die Entwicklung war rasant in den ersten Jahren – es war mehr als genug Arbeit da und unser Vertrieb funktionierte gut. Das große Problem anfangs war also nicht der Markt an Kunden, sondern die Einstellung von Mitarbeitern. Der Schweizer Arbeitsmarkt von Hochschulabsolventen in „unserer“ Fachrichtung war praktisch leergefegt. Zusätzlich gab es strenge Restriktionen bezüglich der Einstellung von Nicht-Schweizern. Für jeden deutschen Mitarbeiter, den wir eingestellt haben, brauchte ich eine Genehmigung der Fremdenpolizei. Ich habe dort also mehrmals Kontingente beantragt und erhalten, aber irgendwann war klar, dass wir zusätzlich in Deutschland eine Karer Consulting aufbauen müssen. Sobald wir aber ein richtiges Büro, klare Abläufe und gefestigte Strukturen hatten, konnten wir Menschen überzeugen, sich bewusst für die Karer als Arbeitgeber zu entscheiden.

 

"Viel Arbeit aber auch viel Zusammenhalt!"

 

Zum Abschluss, wie würdest du die Kultur der Anfangszeit beschreiben?

Unsere Kultur war immer sehr familiär geprägt, das war definitiv einer der Erfolgsfaktoren. Es gab viel Arbeit, die Tage waren lang, aber es gab auch viel Zusammenhalt. Das zeigt sich auch an gemeinsamen Erlebnissen wie unseren früheren Firmenausflügen, nach Paris, Rom oder London (wo ich übrigens jedem Mitarbeiter im Harrods einen Anzug spendiert habe, zur Überraschung des Verkäufers – vielleicht sahen wir nicht aus wie zahlungskräftige Kunden). Dieses Gemeinschaftsgefühl hat die Firma stark geprägt und es erfüllt mich mit Stolz, dass das noch heute so zu sein scheint. Inhaltlich ist die Verbindung aus Prozessoptimierung und Technologie bis heute geblieben, dieses Prinzip ist absolut zeitlos. Technologien ändern sich, Märkte auch. Aber Organisationen effizient und zukunftsfähig zu gestalten, das wird immer ein Thema bleiben.